Stochastische Unabhängigkeit

Klasse 11

Veröffentlichungsdatum

19. August 2026

Aufgaben

Aufgabe 1

L

Gegeben sind P(A)=0,4P(A) = 0{,}4, P(B)=0,5P(B) = 0{,}5 und P(A∩B)=0,2P(A \cap B) = 0{,}2.

Prüfe mit der Produktbedingung, ob AA und BB stochastisch unabhängig sind.

Aufgabe 2

L

Gegeben sind P(A)=0,3P(A) = 0{,}3, P(B)=0,6P(B) = 0{,}6 und P(A∩B)=0,2P(A \cap B) = 0{,}2.

  1. Sind AA und BB unabhängig?
  2. Berechne PA(B)P_A(B) und vergleiche mit P(B)P(B). Was bedeutet das inhaltlich?

Aufgabe 3

L

Eine faire Münze wird zweimal geworfen. Es sei AA das Ereignis „erster Wurf Kopf” und BB das Ereignis „zweiter Wurf Kopf”.

Weise rechnerisch nach, dass AA und BB unabhängig sind.

Aufgabe 4

L

Eine Urne enthält 33 rote und 22 blaue Kugeln. Es wird zweimal ohne Zurücklegen gezogen. Es sei AA = „erste Kugel rot” und BB = „zweite Kugel rot”.

  1. Bestimme P(A)P(A), P(B)P(B) und P(A∩B)P(A \cap B).
  2. Sind AA und BB unabhängig?

Aufgabe 5

L

In den beiden Flächenbildern sind die Wahrscheinlichkeiten der vier Schnittereignisse eingetragen.

  1. Bestimme für Bild X die Werte P(A)P(A), P(B)P(B) und P(A∩B)P(A \cap B) und entscheide über Unabhängigkeit.
  2. Führe dieselbe Prüfung für Bild Y durch.
  3. Woran hättest du das Ergebnis schon ohne Rechnung sehen können?

Aufgabe 6

L

Ein fairer Würfel wird einmal geworfen. Es sei AA = „gerade Augenzahl” und BB = „Augenzahl 55“.

  1. Sind AA und BB unvereinbar?
  2. Sind AA und BB stochastisch unabhängig? Rechne nach.
  3. Begründe allgemein: Sind AA und BB unvereinbar mit P(A)>0P(A) > 0 und P(B)>0P(B) > 0, so können sie nicht unabhängig sein.

Aufgabe 7

L

In einem Teilchendetektor gilt für zwei Messereignisse

P(A)=10−6,P(B)=10−3,P(A∩B)=10−9P(A) = 10^{-6}, \qquad P(B) = 10^{-3}, \qquad P(A \cap B) = 10^{-9}

Sind AA und BB stochastisch unabhängig?

Aufgabe 8

L

Ein Observatorium registriert ein sehr seltenes Teilchen (AA) mit P(A)=10−6P(A) = 10^{-6}. Unabhängig davon schlägt ein Alarm (BB) in 40%40\,\% aller Messintervalle an. Aus den Daten ergibt sich P(A∩B)=9⋅10−7P(A \cap B) = 9 \cdot 10^{-7}.

  1. Sind AA und BB stochastisch unabhängig?
  2. Berechne PB(A)P_B(A) und vergleiche mit P(A)P(A). Ist der Alarm ein brauchbarer Hinweis auf das Teilchen?

Lösungen

Lösung 1

P(A)⋅P(B)=0,4⋅0,5=0,2=P(A∩B)✓P(A) \cdot P(B) = 0{,}4 \cdot 0{,}5 = 0{,}2 = P(A \cap B) \quad ✓

AA und BB sind stochastisch unabhängig.


Lösung 2

  1. P(A)⋅P(B)=0,3⋅0,6=0,18≠0,2=P(A∩B)P(A) \cdot P(B) = 0{,}3 \cdot 0{,}6 = 0{,}18 \neq 0{,}2 = P(A \cap B)

→ abhängig.

  1. PA(B)=0,20,3=23≈0,667P_A(B) = \dfrac{0{,}2}{0{,}3} = \dfrac{2}{3} \approx 0{,}667, aber P(B)=0,6P(B) = 0{,}6.

Weiß man, dass AA eingetreten ist, steigt die Wahrscheinlichkeit für BB von 60%60\,\% auf rund 67%67\,\%. AA liefert also Information über BB — genau das schließt Unabhängigkeit aus.


Lösung 3

Die vier Ergebnisse KK, KZ, ZK, ZZ sind gleich wahrscheinlich mit je 14\tfrac{1}{4}.

P(A)=24=12,P(B)=24=12,P(A∩B)=P(KK)=14P(A) = \frac{2}{4} = \frac{1}{2}, \qquad P(B) = \frac{2}{4} = \frac{1}{2}, \qquad P(A \cap B) = P(\text{KK}) = \frac{1}{4}

P(A)⋅P(B)=12⋅12=14=P(A∩B)✓P(A) \cdot P(B) = \frac{1}{2} \cdot \frac{1}{2} = \frac{1}{4} = P(A \cap B) \quad ✓

AA und BB sind unabhängig — was der Anschauung entspricht: Die Münze hat kein Gedächtnis.


Lösung 4

  1. P(A)=35P(A) = \dfrac{3}{5}.

Für P(B)P(B) beide Pfade zur zweiten roten Kugel addieren:

P(B)=35⋅24+25⋅34=620+620=1220=35P(B) = \frac{3}{5} \cdot \frac{2}{4} + \frac{2}{5} \cdot \frac{3}{4} = \frac{6}{20} + \frac{6}{20} = \frac{12}{20} = \frac{3}{5}

P(A∩B)=35⋅24=620=310P(A \cap B) = \frac{3}{5} \cdot \frac{2}{4} = \frac{6}{20} = \frac{3}{10}

  1. P(A)⋅P(B)=35⋅35=925=0,36≠0,3=P(A∩B)P(A) \cdot P(B) = \frac{3}{5} \cdot \frac{3}{5} = \frac{9}{25} = 0{,}36 \neq 0{,}3 = P(A \cap B)

→ abhängig. Beim Ziehen ohne Zurücklegen verändert der erste Zug die Urne — der zweite Zug „erinnert” sich daran.

Bemerkenswert: P(B)=P(A)=35P(B) = P(A) = \tfrac{3}{5}. Dass die Randwahrscheinlichkeiten gleich sind, hat mit Unabhängigkeit nichts zu tun.


Lösung 5

  1. Bild X: P(A)=0,18+0,12=0,30P(A) = 0{,}18 + 0{,}12 = 0{,}30, P(B)=0,18+0,42=0,60P(B) = 0{,}18 + 0{,}42 = 0{,}60, P(A∩B)=0,18P(A \cap B) = 0{,}18.

P(A)⋅P(B)=0,30⋅0,60=0,18=P(A∩B)✓⇒𝐮𝐧𝐚𝐛𝐡ä𝐧𝐠𝐢𝐠P(A)\cdot P(B) = 0{,}30 \cdot 0{,}60 = 0{,}18 = P(A \cap B) \quad ✓ \;\Rightarrow\; \textbf{unabhängig}

  1. Bild Y: P(A)=0,24+0,06=0,30P(A) = 0{,}24 + 0{,}06 = 0{,}30, P(B)=0,24+0,35=0,59P(B) = 0{,}24 + 0{,}35 = 0{,}59, P(A∩B)=0,24P(A \cap B) = 0{,}24.

P(A)⋅P(B)=0,30⋅0,59=0,177≠0,24⇒𝐚𝐛𝐡ä𝐧𝐠𝐢𝐠P(A)\cdot P(B) = 0{,}30 \cdot 0{,}59 = 0{,}177 \neq 0{,}24 \;\Rightarrow\; \textbf{abhängig}

  1. An der Höhe der Trennlinie: In Bild X verläuft sie in beiden Streifen auf gleicher Höhe, die Aufteilung in BB / nicht BB ist also links wie rechts dieselbe. In Bild Y springt sie — innerhalb von AA ist der BB-Anteil deutlich größer als außerhalb.

Lösung 6

  1. A={2,4,6}A = \{2,4,6\} und B={5}B = \{5\} haben kein gemeinsames Element, also A∩B=∅A \cap B = \emptyset und P(A∩B)=0P(A \cap B) = 0. Sie sind unvereinbar.

  2. P(A)=36=12P(A) = \dfrac{3}{6} = \dfrac{1}{2}, P(B)=16P(B) = \dfrac{1}{6}:

P(A)⋅P(B)=12⋅16=112≠0=P(A∩B)P(A) \cdot P(B) = \frac{1}{2} \cdot \frac{1}{6} = \frac{1}{12} \neq 0 = P(A \cap B)

→ abhängig. Unvereinbarkeit ist also gerade nicht Unabhängigkeit.

  1. Sind AA und BB unvereinbar, gilt P(A∩B)=0P(A \cap B) = 0. Wären sie zusätzlich unabhängig, müsste

P(A)⋅P(B)=P(A∩B)=0P(A) \cdot P(B) = P(A \cap B) = 0

gelten. Ein Produkt zweier Zahlen ist aber nur dann null, wenn mindestens ein Faktor null ist — Widerspruch zu P(A)>0P(A) > 0 und P(B)>0P(B) > 0.


Lösung 7

P(A)⋅P(B)=10−6⋅10−3=10−9=P(A∩B)✓P(A) \cdot P(B) = 10^{-6} \cdot 10^{-3} = 10^{-9} = P(A \cap B) \quad ✓

AA und BB sind unabhängig. Dasselbe Vorgehen wie in Aufgabe 1 — beim Multiplizieren von Zehnerpotenzen werden die Exponenten addiert.


Lösung 8

  1. P(A)⋅P(B)=10−6⋅0,4=4⋅10−7≠9⋅10−7=P(A∩B)P(A) \cdot P(B) = 10^{-6} \cdot 0{,}4 = 4 \cdot 10^{-7} \neq 9 \cdot 10^{-7} = P(A \cap B)

→ abhängig. (Die Formulierung „unabhängig davon” im Aufgabentext ist also durch die Daten widerlegt.)

  1. PB(A)=9⋅10−70,4=2,25⋅10−6P_B(A) = \frac{9 \cdot 10^{-7}}{0{,}4} = 2{,}25 \cdot 10^{-6}

Gegenüber P(A)=10−6P(A) = 10^{-6} ist das eine Steigerung auf mehr als das Doppelte. Als Hinweis taugt der Alarm damit trotzdem kaum: Auch bei Alarm liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Teilchen nur bei 2,25⋅10−62{,}25 \cdot 10^{-6}, also rund 0,000225%0{,}000225\,\% — im Mittel führt erst etwa jeder 444000444\,000-ste Alarm zu einem echten Teilchen.