Simulation und Monte-Carlo — Aufgaben

Klasse 10

Published

March 15, 2026

Grundidee

Simulation schätzt Wahrscheinlichkeiten durch wiederholtes Durchführen (oder Nachbilden) eines Zufallsexperiments. Das Ergebnis ist die relative Häufigkeit des Ereignisses über alle Versuche. Je größer die Anzahl der Versuche nn, desto näher liegt die relative Häufigkeit an der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit. Bei der Monte-Carlo-Methode werden Zufallszahlen genutzt, um geometrische oder schwer berechenbare Wahrscheinlichkeiten zu schätzen.


Aufgaben

Aufgabe 1

L

Ein fairer Würfel wurde 200200-mal geworfen. Die Ergebnisse:

Augenzahl 1 2 3 4 5 6
Häufigkeit 31 38 28 35 34 34
  1. Berechne die relative Häufigkeit jeder Augenzahl.
  2. Vergleiche mit der theoretischen Wahrscheinlichkeit 16\tfrac{1}{6}.
  3. Schätze aus der Simulation: Wie oft fiel eine Zahl 4\geq 4?

Aufgabe 2

L

Zur Simulation eines Münzwurfs wird die Zuordnung verwendet: gerade Ziffer = Kopf (K), ungerade Ziffer = Zahl (Z). Folgende Zufallsziffernfolge liegt vor:

3,7,2,5,8,1,0,4,9,6,2,3,5,8,43,\;7,\;2,\;5,\;8,\;1,\;0,\;4,\;9,\;6,\;2,\;3,\;5,\;8,\;4

  1. Übertrage in K/Z-Folge.
  2. Berechne die relative Häufigkeit von Kopf.
  3. Wie viele aufeinanderfolgende Ziffern müsste man auswerten, um P(K)=0,5±0,05P(\text{K}) = 0{,}5 \pm 0{,}05 mit hoher Sicherheit schätzen zu können? (Schätzung, keine genaue Berechnung nötig.)

Aufgabe 3

L

Zwei faire Würfel werden gleichzeitig geworfen. Gesucht ist P(Summe=7)P(\text{Summe} = 7).

  1. Berechne die theoretische Wahrscheinlichkeit exakt.
  2. Beschreibe, wie du das Experiment mit einer Tabelle von Zufallszahlen (Ziffern 1–6) simulieren würdest.
  3. Eine Simulation mit n=500n = 500 ergab 84 mal die Summe 7. Vergleiche die relative Häufigkeit mit dem theoretischen Wert.

Aufgabe 4

L

Zur Schätzung von π\pi werden n=1000n = 1000 zufällige Punkte (x,y)(x, y) mit x,y[0,1]x, y \in [0, 1] erzeugt. Davon liegen 786786 Punkte innerhalb des Viertelkreises (x2+y21x^2 + y^2 \leq 1).

  1. Schätze π\pi aus diesen Daten.
  2. Wie groß ist der absolute Fehler gegenüber dem wahren Wert π3,14159\pi \approx 3{,}14159?
  3. Was müsste man tun, um die Schätzung zu verbessern?

Aufgabe 5

L

Das Geburtstagsproblem: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einer Gruppe von kk Personen mindestens zwei am selben Tag Geburtstag haben?

Für k=23k = 23 berechnet man:

P(alle verschieden)=365365364365363365343365P(\text{alle verschieden}) = \frac{365}{365} \cdot \frac{364}{365} \cdot \frac{363}{365} \cdots \frac{343}{365}

  1. Erkläre, warum dieser Term die Wahrscheinlichkeit für „alle verschieden” beschreibt.
  2. Berechne P(alle verschieden)P(\text{alle verschieden}) für k=23k = 23 (Taschenrechner).
  3. Was ist P(mindestens zwei gleich)P(\text{mindestens zwei gleich})?
  4. Beschreibe, wie man dieses Ergebnis mit einer Simulation überprüfen könnte.

Aufgabe 6 (absurd)

L

Eine Simulation von n=108n = 10^8 Versuchen ergibt, dass ein Ereignis AA in 3141600031\,416\,000 Versuchen eintritt.

  1. Schätze P(A)P(A) aus der Simulation.
  2. Welche bekannte Konstante schätzt diese Simulation offenbar?
  3. Was wird hier geometrisch simuliert?

(Das Verfahren ist identisch zu Aufgabe 4.)


Aufgabe 7 (absurd)

L

Eine faire Münze wird solange geworfen, bis zum ersten Mal Kopf fällt. Sei XX die Anzahl der Würfe.

  1. Berechne P(X=1)P(X = 1), P(X=2)P(X = 2), P(X=3)P(X = 3), P(X=k)P(X = k).
  2. Berechne P(X10)P(X \leq 10).
  3. Beschreibe, wie man P(X10)P(X \leq 10) mit einer Simulation schätzen könnte.

Lösungen

Lösung 1

  1. Relative Häufigkeiten: 31200=0,155\tfrac{31}{200} = 0{,}155; 38200=0,190\tfrac{38}{200} = 0{,}190; 28200=0,140\tfrac{28}{200} = 0{,}140; 35200=0,175\tfrac{35}{200} = 0{,}175; 34200=0,170\tfrac{34}{200} = 0{,}170; 34200=0,170\tfrac{34}{200} = 0{,}170

  2. Theoretisch je 160,167\tfrac{1}{6} \approx 0{,}167. Alle Werte liegen nahe daran — typische Schwankungen bei n=200n = 200.

  3. Zahlen 4\geq 4: 35+34+34=10335 + 34 + 34 = 103 Mal. Relative Häufigkeit: 103200=0,515\tfrac{103}{200} = 0{,}515 (theoretisch 0,50{,}5).


Lösung 2

  1. Ungerade: Z, Z, K, Z, K, Z, K, K, Z, K, K, Z, Z, K, K → 8 K, 7 Z

  2. 8150,533\tfrac{8}{15} \approx 0{,}533

  3. Faustregel: Bei nn Versuchen liegt die relative Häufigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit im Bereich 0,5±1n0{,}5 \pm \tfrac{1}{\sqrt{n}}. Für ±0,05\pm 0{,}05: 1n0,05n400\tfrac{1}{\sqrt{n}} \approx 0{,}05 \Rightarrow n \approx 400.


Lösung 3

  1. Günstige Paare mit Summe 7: (1,6), (2,5), (3,4), (4,3), (5,2), (6,1) — 6 von 36.

P=636=160,167P = \tfrac{6}{36} = \tfrac{1}{6} \approx 0{,}167

  1. Zwei unabhängige Zufallsziffern 1–6 erzeugen. Wenn ihre Summe 7 ergibt: Treffer. nn mal wiederholen.

  2. Relative Häufigkeit: 84500=0,168\tfrac{84}{500} = 0{,}168 — sehr nahe am theoretischen Wert 0,1670{,}167.


Lösung 4

  1. π47861000=40,786=3,144\pi \approx 4 \cdot \tfrac{786}{1000} = 4 \cdot 0{,}786 = 3{,}144

  2. |3,1443,14159|0,002|3{,}144 - 3{,}14159| \approx 0{,}002

  3. nn erhöhen — bei n=106n = 10^6 ist die Schätzung typischerweise auf ±0,001\pm 0{,}001 genau.


Lösung 5

  1. Die erste Person hat frei wählbaren Geburtstag (Faktor 365365=1\tfrac{365}{365} = 1). Die zweite muss einen anderen Tag haben (364365\tfrac{364}{365}), die dritte noch einen anderen (363365\tfrac{363}{365}) usw. bis zur 23. Person (343365\tfrac{343}{365}).

  2. P(alle verschieden)=365!/(36523)!365230,4927P(\text{alle verschieden}) = \dfrac{365!/(365-23)!}{365^{23}} \approx 0{,}4927

  3. P(mind. zwei gleich)=10,49270,5073>0,5P(\text{mind. zwei gleich}) = 1 - 0{,}4927 \approx 0{,}5073 > 0{,}5

  4. Simulation: Für jede Gruppe zufällig 23 Zahlen aus {1,,365}\{1, \ldots, 365\} ziehen (mit Zurücklegen). Prüfen, ob eine Zahl doppelt vorkommt. Nach vielen Gruppen die relative Häufigkeit berechnen.


Lösung 6

  1. P(A)31416000100000000=0,31416P(A) \approx \tfrac{31\,416\,000}{100\,000\,000} = 0{,}31416

  2. 0,31416π100{,}31416 \approx \tfrac{\pi}{10} — offenbar wird π\pi geschätzt.

  3. Es wird die Monte-Carlo-Methode für den Viertelkreis verwendet, aber nur 110\tfrac{1}{10} des Quadrats genutzt, oder der Radius ist 110\tfrac{1}{\sqrt{10}}. Wahrscheinlicher: Es wird P(x2+y20,1)P(x^2 + y^2 \leq 0{,}1) über [0,1]2[0,1]^2 simuliert — die Fläche des Viertelkreises mit Radius 0,1\sqrt{0{,}1} ist π0,140,0785\tfrac{\pi \cdot 0{,}1}{4} \approx 0{,}0785. Am naheliegendsten: klassische π/4\pi/4-Simulation mit π40,314163,1416\pi \approx 4 \cdot 0{,}31416 \approx 3{,}1416. ✓


Lösung 7

  1. P(X=k)=(12)k112=(12)kP(X = k) = \left(\tfrac{1}{2}\right)^{k-1} \cdot \tfrac{1}{2} = \left(\tfrac{1}{2}\right)^k

P(X=1)=12P(X=1) = \tfrac{1}{2}, P(X=2)=14P(X=2) = \tfrac{1}{4}, P(X=3)=18P(X=3) = \tfrac{1}{8}

  1. P(X10)=1P(X>10)=1(12)10=1110240,999P(X \leq 10) = 1 - P(X > 10) = 1 - \left(\tfrac{1}{2}\right)^{10} = 1 - \tfrac{1}{1024} \approx 0{,}999

  2. Simulation: Münze werfen (oder Zufallszahl {0,1}\in \{0,1\} erzeugen), bis erstmals 1 (Kopf) erscheint. Anzahl der Würfe notieren. Diesen Versuch n=10000n = 10\,000 mal wiederholen. Anteil der Versuche mit X10X \leq 10 berechnen.